Geiz ist geil

Spätestens seit der unsäglichen Werbekampagne ist dieser Slogan in aller Munde. Hier wird voller Freude der Geiz als etwas Gutes und erstrebenswertes betitelt. Man sei ja schließlich nicht blöd lautet die in ähnlicher Kampagne behauptete Erkenntnis. Die Frage ist erlaubt, warum "preiswert" (den Preis wert) und "wertvoll" (wert – voll) nicht mehr zu den benutzen begriffen zählen. Der Aufruf nach ungebremstem Konsum in einer Zeit in der die Frage nach der verantwortlichen Umgang mit jeglichen Ressourcen im Vordergrund stehen sollte, das Skandieren von Slogans und Schlachtrufen ersetzt den klugen Menschenverstand. "Ich handle, also brauch ich nicht mehr denken…".
Konsum auf hohem Niveau wird durch immer billigere Massenware ermöglicht, Sinn und Zweck der Investition sind schon längst nicht mehr erklärbar. Der Featureismus von Software ist ein Beispiel. Die Schere zwischen Nutzen und Angebot klafft immer weiter auseinander. Eine marketingorientierte Auswertung des Slogans und des Preisbewusstseins der Verbraucher gibt es unter http://www.sensonet.org/Sensotionen/gg-preise.html.
Um es klarzustellen: wenn die Diskussion über Preise im Vordergrund steht, geraten Überlegungen zu Qualität und "Sinnhaftigkeit" einer Ausgabe ins Hintertreffen, egal ob ich den Slogan gut (überzeugter Billigkäufer) oder schlecht (hochpreisbewusster Teuerkäufer) finde. Das Verbraucherhandeln reduziert sich dann schnell auf das Ausleben einer der beiden Positionen in der polarisierten Wirtschaftswelt.
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