Linux Live-CD als Abzocke
abgelegt im Archiv Aktuelles am 09.07.07
Abzocke, Live-CDs, Distributionen und Spenden was sonst noch? Kaum eine Meldung der letzten Tage hat für mehr Furore gesorgt als die der Neuerscheinung von Elive 1.0.
In der Geschichte, die sich um diese Meldung spinnt, zeigt sich das ganze Dilemma von Open Source (hier Synonym für F/OSS, FOSS, FLOSS und OSS) - ich nenne es mal das Eierlegende-Wollmilchsau-Syndrom.
Worum geht's (meine Übersetzung, sonst das Original in Englisch)? Elive ist "ein vollständiges Betriebssystem" und "erste Wahl ein proprietäres und teueres System zu ersetzen". Was ist denn das besondere an Elive? Die Live-CD setzt auf debian GNU/Linux auf und kommt mit der Enlightment-Oberfläche daher. Trotz der ausgereiften Oberfläche soll Elive relativ sparsam mit Systemressourcen umgehen und sich somit auch für ältere Hardware eignen.
"Verwandeln Sie ihren alten Computer wieder in eine Hochleistungs-Workstation mit einer Oberfläche, die jeden sofort begeistert." "This is Elive's goal."
Dem eigenen Bekunden nach ein "Luxury Linux" - so dick wird selten in der Open-Source-Szene aufgetragen. Wenn das alles so stimmt, ist Elive wirklich die erste Wahl, um quasi im Handumdrehen ein überzeugende Linux-Kiste zu bekommen.
Die Produktvorstellung als Werberfilmchen bei Youtube Otto Normaluser denkt sich: Klasse, jetzt steige ich mit meiner alten Kiste auf Linux um.
Ärgerlich ist dann aber doch, dass jeder der sich bei elive.org umsieht, schnell erkennt, dass man doch deutlich zum Spenden angehalten wird und das per Kreditkarte oder Paypal. Dafür erhält man dann aber auch einen schnellen Download-Server (nicht soo interessant in Zeiten von Flatrates...oder?). Daran, dass Geld gewünscht wird, stört sich noch niemand - schlimmer wiegt da, dass der auch angebotene kostenlose Download-Server schwer erreichbar war.
Dann ist Version 1.0 beworden, aber kostenlos und herunterladbar war zumindest eine Zeitlang nur eine ältere Version. Die aktuelle Version Elive 1.0 gibt es derzeit unter ftp.ussg.iu.edu. bzw bei linux.softpedia.com. Fassen wir zusammen. Da kommt eine Open-Source-Live-CD raus, die ohne viel Kenntnis vom Anwender genutzt werden und softwareseitig ein Komplettsystem bereitstellen soll.
Das ganze wird dann noch deutlich über die Preisschiene beworben, muss dann aber selber auf Kosten verweisen (so oder so). Dadurch kommt, dass niemand so recht genau Bescheid weiß - besonders die Zielgruppe der normalen Anwender - was denn nun los ist.
Fazit: gut, kostenlos, benutzerfreundlich scheinen die drei Eckpunkte eines Dreiecks zu sein, die es gleichzeitig zu erreichen gilt. Auch ohne allzu große geometrische Kenntnisse wird klar, dass das wohl nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Doch das wird immer und immer wieder ignoriert - das ist das Dilemma.
Eike Elser 08-07-2007
Minimale Anforderungen an die Hardware: Um Elive zum laufen zu bringen, ist ein PC mit 100 Mhz CPU und 64 MB RAM gefordert. Die empfohlene Systemleistung isjt höher aber immer noch erfreulich gering: 300 MHz-CPU und 128 MB RAM.

Permalink: Linux Live-CD als Abzocke
Tags: Linux elive OSS LiveCD
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